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Bundespräsident per Video-Chat zu Gast an der HTL Zeltweg

Video-Chats gehören in Zeiten von Corona für die Schülerinnen und Schüler der HTL Zeltweg bereits zum Schulalltag. Am 7. Oktober 2020 war es aber für die Schülerinnen und Schüler der 7AHMBT Maschinenbau ein besonderes Erlebnis, im virtuellen Klassenzimmer den Bundespräsidenten Dr. Alexander Van der Bellen als Gesprächspartner begrüßen zu dürfen. Möglich wurde dies durch eine Initiative des Umweltbildungszentrums Steiermark in Kooperation mit dem Land Steiermark. Sieben steirische Schule wurden für ein Online-Gespräch mit dem Bundespräsidenten ausgewählt. Es war dies der Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen im Rahmen von Klimawissen Online aus 1. Hand, wo im Laufe des Schuljahres Expertinnen und Experten aus Forschung und Wirtschaft rund um die Themen Klima und Nachhaltigkeit online mit SchülerInnen ins Gespräch kommen.

 

Da die HTL Zeltweg schon während des Corona-Lockdowns an dieser Online-Initiative teilgenommen hatte, wurde sie nun ausgewählt, mit dem Bundespräsidenten über den Klimaschutz zu sprechen. Die Klimaschutzkoordinatorin des Land Steiermarks Mag.a Andrea Gössinger-Wieser betonte, dass das Klimathema trotz Corona nichts an Brisanz verloren habe und es daher unbedingt notwendig sei, sich damit weiterhin an den Schulen intensivst auseinanderzusetzen, wenn auch aufgrund der Gegebenheiten online, wofür ein breitgefächertes Angebot im heurigen Schuljahr zur Verfügung stehe. Die Landesrätin Mag.a Ursula Lackner hob ebenfalls die Wichtigkeit hervor, dass es für die Klimabildung Angebote im Netz brauche.

Der Bundespräsident begrüßte die SchülerInnen und wies in seinem Eingangsstatement darauf hin, dass die Klimakrise uns für die nächsten Jahre und Jahrzehnte begleiten werde, und dass es die SchülerInnen stärker als ihn selbst betreffen werde, aus dem schlichten Grund, dass seine Lebenszeit schon begrenzter sei im Vergleich zu der Anzahl der Lebensjahre, die die Jugendlichen noch vor sich haben. Im Lauf des Gespräches stellte er fest, dass beim Klimaschutz die Initiative vielfach von der Jugend ausgehe, die die ältere Generation zu überzeugen versuche. Das ist genau umgekehrt zum Schulunterricht, wo ältere Menschen jüngeren etwas lernen. Der Bundespräsident verwies auch darauf, dass es gegen die Klimakrise keine Impfung gebe. „Wir selbst sind die Impfung gegen die Klimakrise, wenn wir hinreichend viel tun.“

Stefanie Reiter von der 7AHMBT Maschinenbau stellte folgende Frage an den Bundespräsidenten.

„Wäre es nicht sinnvoll, wenn es im österreichischen Schulsystem vermehrt Unterrichtsfächer geben würde, in denen die Schülerinnen und Schüler den richtigen Umgang mit der Erde lernen sollten, oder finden Sie die Fächeraufteilung im österreichischen Schulsystem in Ordnung?“

Der Bundespräsident antwortete darauf, dass er sich wünschen würde, dass so ein Thema, welches eine echte Querschnittsmaterie ist, in den verschiedensten Fächern angeschnitten werde. Er erzählte eine Geschichte vom Präsidenten von Kiribati, einer Pazifikinsel, den er bei einem Besuch fragte, wie hoch der höchste Berg auf dessen Insel sei. Dieser antwortete: “Well two or three meters.“ Was die Klimaerwärmung für solch einen Inselstaat im Pazifik bedeute, darüber könnte man im Geografieunterricht sprechen. Man könnte auch im Englischunterricht einen Artikel von Greta Thunberg lesen, die es als Jugendliche zur „Person of the Year“ im Time Magazine geschafft hat. Auch Modellrechnungen in Mathematik und die Besprechung der wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels in Österreich, zum Beispiel durch das Sterben der Fichtenwälder, könnten im Unterricht Eingang finden.

Wesentlich sei es, nicht zu denken, alle anderen sollen etwas machen, nur selbst müsse man nichts tun. „Wenn das nämlich jeder denkt, passiert genau gar nichts.“

Eine Frage bezog sich auch darauf, welche Maßnahmen der Bundespräsident persönlich im täglichen Leben ergreift, um einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele zu leisten. Er selbst versuche, möglichst viele Dienstfahrten mit der Bahn zu absolvieren und seine Frau und er kaufen regional ein. Man muss das Bewusstsein schaffen, dass tatsächlich jede/r etwas gegen die Erderwärmung tun kann, und zusätzlich brauche es im Kampf gegen die Klimakrise den unbändigen Willen von Seiten der Politik zu handeln. Das Klimaschutzabkommen zielt auf das Jahr 2050 ab, weil die nächsten 30 Jahre entscheidend sein werden. Der Bundespräsident sagte, dass er an den technischen Fortschritt glaube, der vieles im Klimaschutz möglich machen werde. „Es wird eine interessante Zeit sein, die ihr erleben werdet.“

In diesem Video-Chat hat der Bundespräsident viele persönliche Eindrücke aus seinem Leben geschildert, aber auch auf globale Dimensionen im Klimaschutz hingewiesen. Sein Resümee war: „Reden, reden, reden, seid nicht pessimistisch, es tut sich etwas“ – in der Wirtschaft, bei Banken, bei Versicherungen, in der Politik- es haben viele die Zeichen der Zeit erkannt. „Kopf hoch, es geht schon.“

Video Klimawissen Online aus 1. Hand -Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen