HTL Zeltweg • office@htl-zeltweg.at •
Tel. 05 0248 068

Mein Körper steht nicht zur Diskussion – Intersex Awareness Day

Ein Kind wird geboren – und plötzlich steht eine Frage im Raum, die für die meisten selbstverständlich scheint: Bub oder Mädchen?

Bei intergeschlechtlichen Kindern lässt sich diese Frage nicht immer eindeutig beantworten. Beim biologischen Geschlecht geht es um körperliche Merkmale wie Chromosomen, Hormone, Keimdrüsen (Eierstöcke oder Hoden) und Geschlechtsorgane. Bei intergeschlechtlichen Menschen weichen einzelne dieser Merkmale von den typischen männlichen oder weiblichen Ausprägungen ab (natürliche Variation des biologischen Geschlechts). In Österreich werden Schätzungen zufolge pro Jahr etwa 20 bis 40 Kinder mit intergeschlechtlichen Merkmalen geboren.

Anlässlich des „Intersex Awareness Day“ (Tag der Intergeschlechtlichkeit) jährlich am 26.10. beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler des vierten Jahrgangs mit dem Thema „Intergeschlechtlichkeit“. Unterstützt wurde die Auseinandersetzung durch einen Queerfacts-Workshop, organisiert von Religions- und Ethiklehrerin Lisa Stolz.

Queerfacts ist ein österreichweites Bildungsprojekt, das LGBTIQ+-Themen als Extremismus- und Sexismusprävention an Schulen, in der Erwachsenenbildung sowie bei Organisationen und Unternehmen behandelt. In der Steiermark wird das Projekt von den RosaLila PantherInnen umgesetzt.

Bei dem Workshop ging es nicht nur um biologische Unterschiede, sondern vor allem um Diskriminierung, Menschenrechte und Selbstbestimmung.

Besonders eindrücklich ist die Situation bei intergeschlechtlichen Menschen rund um medizinische Eingriffe: Bei manchen intergeschlechtlichen Kindern wurden und werden Operationen oder andere Behandlungen bereits im Baby- oder Kindesalter vorgenommen, obwohl sie medizinisch nicht zwingend notwendig sind – etwa um die äußeren Geschlechtsmerkmale an gesellschaftliche Vorstellungen von „männlich“ oder „weiblich“ anzupassen.

Für Betroffene können solche Eingriffe lebenslange Folgen haben. Genannt werden unter anderem Schmerzen, Narben, Sensibilitätsverlust, psychische Belastungen oder Beeinträchtigungen der sexuellen Gesundheit. Kritiker solcher Eingriffe betonen daher: Wenn keine akute medizinische Notwendigkeit besteht, sollte ein Kind später selbst über seinen Körper entscheiden können.

Der Workshop machte deutlich: bei Queerfacts geht es um Würde, Akzeptanz und die Freiheit, den eigenen Körper selbstbestimmt anzunehmen.